Konzeption und Ziele

Der LL.B.-Studiengang im IT- und IP-Recht besteht seit dem Wintersemester 2011/12 und richtet sich an alle, die an aktuellen Entwicklungen im IP- und IT Recht interessiert sind und erste Auslandserfahrungen sammeln wollen.

Er bietet eine grundständige juristische Ausbildung in den Fächern  Zivilrecht, Strafrecht, Öffentliches Recht und Europarecht, die  zu 85% mit  der traditionellen juristischen Ausbildung (Staatsexamen) identisch ist. Darüber hinaus bietet er eine Spezialisierung im IP-/-IT-Recht im 4. Jahr.   Die vorausgehende Grundausbildung ist wichtig, um bestehende rechtliche Grundlagen auf ihre Internettauglichkeit zu prüfen und  so spätere Mandanten zielgerecht beraten zu können. Dies kann entweder als Anwalt mit Staatsexamen und Referendariat oder aber als Consultant mit dem Abschluss LL.B. und ggf. LL.M. geschehen. Mögliche Arbeitsmärkte umfassen die  Bereiche Medien (Urheberrecht), Pharmaindustrie (Patentrecht),  Telekommunikationsindustrie (E-Commerce, Telekommunikations-, Wettbewerbsrecht) oder die allgemeinen Politik (Internetregulation, E-Government).

Besondere technische Kenntnisse werden dabei nicht vorausgesetzt und sind auch nicht erforderlich – Interesse an Informations- und Kommunikationstechnologien ist aber von Vorteil.

 

IT- und IP-Recht

Der Bachelor Studiengang kombiniert die Fächer Informationstechnologierecht und Recht des geistigen Eigentums als selbstständige Rechtsgebiete, die so viele Abhängigkeiten und gemeinsame Schnittstellen aufweisen, dass sie nur in paralleler Betrachtungsweise vollumfänglich erfasst werden können.

Das IT-Recht (IT = Informationstechnologie) umfasst unter anderem die Bereiche des elektronischen Rechtsverkehrs, des Datenschutzes, der IT-Sicherheit und des Fernabsatzrechts. Dieses sehr neue und sich schnell entwickelnde Feld stellt stets zukunftsorientierte Fragen, die aus juristischer Sicht beantwortet und geregelt werden müssen. Daneben treten immer wieder alltägliche Fragen der Rechtspraxis auf, über die sich der Bürger kaum Gedanken macht, etwa:

  • Welche Rechte haben Verbraucher bei Geschäften auf eBay oder Amazon?
  • Welches Recht gilt im internationalen eCommerce?
  • Wer haftet für Links oder Foreneinträge?
  • Wie weit darf der Staat den Bürger durch sogn. „Bundestrojaner“ überwachen?
  • Wie werden persönliche Daten im WWW angemessen geschützt?

Das IP-Recht (IP = intellectual property = geistiges Eigentum) beschäftigt sich dagegen mit dem Urheberrecht, Patent- und Markenrecht sowie anderen gewerblichen Schutzrechten. Auch dieses Feld ist hoch aktuell und steht vor grundsätzlichen Fragen, z.B. ob das Urheberrecht in dieser Form für die Gesellschaft noch angemessen ist. Auf der anderen Seite ergeben sich hier ebenfalls Fragen aus der Rechtspraxis, zum Beispiel:

  • Welche Handlungen im Internet stellen Urheberrechtsverletzungen dar?
  • Gibt es ein Recht auf Privatkopie im Urheberrecht?
  • Wie werden Domainname-Streitigkeiten international gelöst?
  • Gibt es Patente auf menschliche DNA-Sequenzen?

Viele dieser Fragen, mit denen sich Spezialisten Tag für Tag auseinandersetzen müssen, lassen sich nicht durch einen einfachen Blick in das Gesetz oder auf die Rechtsprechung beantworten. Daher sind die Vorlesungen im LL.B. in hohem Maße von der Besprechung tagesaktueller Fälle geprägt und münden nicht selten in interessante Diskussionen zwischen Studierenden und Lehrenden, wobei Kreativität und Einfallsreichtum genauso gefragt sind wie das Interesse, gemeinsam juristisches Neuland zu betreten. Das bedeutet gerade nicht das Auswendiglernen von juristischen Definitionen und Meinungsstreitigkeiten, sondern durch Einfallsreichtum und einen Blick über den Tellerrand in Richtung Europa Lösungen auch dort zu entwickeln, wo es bisher noch keine klaren Antworten gibt.

 

Studieninhalt

Der Studiengang kombiniert eine umfassende juristische Grundausbildung in den Fächern Bürgerliches Recht, Öffentliches Recht,  Strafrecht  und Europarecht mit einer Spezialisierung im IT- und IP-Recht. Die besonderen Schwerpunkte liegen hierbei auf dem Bürgerlichen Recht sowie auf dem Europarecht, welches starken Einfluss auf die nationalen Regelungen des IT- und IP-Rechtes hat. Daneben finden in den ersten Semestern Einführungsveranstaltungen in das IP- und IT-Recht statt. Im fünften und sechsten Semester absolviert der Studierende ein Studienjahr an einer ausländischen Partneruniversität, an welcher er insbesondere die internationalen Bezüge des IT- und IP-Rechts kennenlernt und seine fachlichen Qualifikationen vertieft sowie seine für IT-Juristen unerlässlichen soft-skills im Bereich der Sprachkompetenz erweitert. Im vierten Studienjahr besuchen die Studierenden dann in Hannover besondere Vertiefungsveranstaltungen im IT- und IP-Recht zusammen mit anderen Schwerpunktstudenten und fertigen ihre Bachelorarbeit an.

Aufbau und Betreuung des Studiengangs werden durch den DAAD gefördert und aus Mitteln des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) finanziert. Koordiniert wird der Studiengang vom Institut für Rechtsinformatik (IRI) in Hannover, welches mit über 40 Mitarbeitern eine der größten Lehr- und Forschungseinrichtungen für IT- und IP-Recht bundesweit darstellt.

 

Doppelstudium

Der Bachelor im IT- und IP-Recht ist mit anderen Studiengängen kombinierbar. Ein Doppelstudium mit dem juristischen Staatsexamen empfiehlt sich vor allem deshalb, weil das Bachelor-Studium im IT- und IP-Recht und das Staatsexamen sich zu 85% decken.

Der Studierende hat im Vergleich zum klassischen Jurastudium nur einen geringen Mehrzeitaufwand  und mithin die Möglichkeit mit einem überschaubaren Zusatzaufwand die Erste Juristische Prüfung (früher Staatsexamen) abzulegen. Während der ersten vier Semester ist es möglich, sich die klassischen juristischen Fächer wie Bürgerliches Recht, Öffentliches Recht und Strafrecht auch für das Studium der Rechtswissenschaften anrechnen zu lassen. Daneben besuchen doppelt immatrikulierte Studierende pro Semester eine zusätzliche Vorlesung, die in das IT- und IP-Recht einführt. Auch die mündlichen Prüfungen am Ende des Jahres beschäftigen sich größtenteils mit klassischen juristischen Themengebieten, sodass doppelt immatrikulierte Studierende schon früh die Möglichkeit haben, Examens-relevanten Stoff zu wiederholen und zu festigen. Die zwei Semester, die man als LL.B.-Student im Ausland verbringt, werden für das Jurastudium als Urlaubssemester angerechnet. Nach dem Auslandsjahr besuchen die Studierenden dann den Schwerpunkt im IT- und IP-Recht zusammen mit anderen Jurastudenten, die ihre Schwerpunktarbeit ebenfalls in diesem Bereich schreiben. Die Bachelorarbeit, die gleichzeitig auch als Schwerpunktarbeit für die erste Juristische Prüfung gewertet werden kann, geht als solche in die Note der ersten juristischen Prüfung ein. Dadurch hat der doppelt doppelt immatrikulierte Studierende  die komfortable Situation, dass er schon vor Antritt der ersten juristischen Prüfung einen Abschluss in Form des LL.B. sicher hat.

Da der Studiengang jedoch nur über eine begrenzte Anzahl von Plätzen verfügt, wird empfohlen, sich zuerst für den LL.B. und dann für das klassische Jurastudium oder andere Studiengänge einzuschreiben.

 

Berufsaussichten

Die weitgefächerte Themenvielfalt machen das Informationstechnologie- und das Recht des geistigen Eigentums zu einer sehr interessanten und sich ständig weiterentwickelnden Materie, die auch auf dem Arbeitsmarkt zunehmend an Bedeutung gewinnt. Viele größere Anwaltskanzleien haben eigene Abteilungen für IT/IP-Recht aufgebaut, für die qualifizierte Juristen gesucht werden. Der Bedarf an entsprechend spezialisierten Juristen in der Wirtschaft und bei Behörden nimmt ebenso ständig zu.